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Recht & Pflichten

BFSG 2025: Was Arztpraxen jetzt bei ihrer Website beachten müssen

TR Timo Radecke 13. Juni 2026 6 Min. Lesezeit

Seit dem 28. Juni 2025 gilt das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG). Es verpflichtet Unternehmen die digitale Produkte und Dienstleistungen anbieten, diese nach dem Standard WCAG 2.1 Level AA barrierefrei zu gestalten. Das klingt nach einem Problem für große Konzerne. Ist es aber auch für Arztpraxen - zumindest für viele.

Wer ist betroffen

Das BFSG gilt für alle Unternehmen die digitale Dienstleistungen erbringen. Eine Arztpraxis mit Kontaktformular auf der Website erbringt eine digitale Dienstleistung. Das Formular gilt als "elektronischer Geschäftsverkehr" im Sinne des Gesetzes.

Ausgenommen sind explizit Kleinstunternehmen - Unternehmen mit weniger als 10 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz unter 2 Millionen Euro. Für diese Praxen gilt das BFSG nicht. Für alle anderen schon.

Praxis mit 2 Ärzten, 3 MFA und 1,5 Mio. EUR Abrechnungsvolumen? Kleinstunternehmen, nicht betroffen. Größere Gemeinschaftspraxis? Muss prüfen.

Was konkret geändert werden muss

WCAG 2.1 Level AA ist kein unüberwindbares Regelwerk. Die wichtigsten Anforderungen für eine typische Praxis-Website:

  • Farbkontrast: Text auf farbigem Hintergrund muss ein Kontrastverhältnis von mindestens 4,5:1 haben. Viele Praxis-Websites scheitern hier am hellgrauen Fließtext.
  • Alt-Texte: Jedes inhaltliche Bild braucht einen beschreibenden Alt-Text. Dekorative Bilder bekommen alt="".
  • Formular-Labels: Jedes Eingabefeld braucht eine korrekte, verknüpfte Beschriftung. Placeholder-Text allein genügt nicht.
  • Tastaturnavigation: Alle Funktionen müssen ohne Maus nutzbar sein. Navigation, Links, Formular-Senden - alles per Tab erreichbar.
  • Überschriftenstruktur: H1 einmal pro Seite, H2 und H3 logisch verschachtelt. Keine Überschriften nur für optische Effekte nutzen.
  • Barrierefreiheitserklärung: Pflichtdokument das auf jeder Seite verlinkt sein muss. Beschreibt welche Anforderungen erfüllt sind und welche nicht.

Was passiert wenn nichts gemacht wird

Seit dem 28. Juni 2025 können Abmahnungen durch qualifizierte Verbände und Einrichtungen erfolgen. Die Marktüberwachungsbehörden der Bundesländer sind für die Durchsetzung zuständig. Konkrete Bußgeldsummen sind je nach Bundesland unterschiedlich geregelt.

Realistisch betrachtet: Die ersten Wellen von Abmahnungen kommen erfahrungsgemäß nicht sofort nach dem Stichtag. Aber der Rückstand wächst und irgendwann kommt die Abmahnung. Besser jetzt handeln als reaktiv unter Druck.

Was eine Praxis konkret tun kann

Schritt 1: Prüfen ob die Praxis überhaupt unter das BFSG fällt (Mitarbeiterzahl und Umsatz checken). Schritt 2: Wenn ja - Website auf die wichtigsten Schwachstellen prüfen lassen. Die meisten bestehenden Praxis-Websites scheitern an Kontrasten und Formular-Labels. Schritt 3: Barrierefreiheitserklärung erstellen und verlinken. Das geht auch bevor alle technischen Maßnahmen umgesetzt sind.

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Barrierefreiheit ist kein reiner Kostenfaktor

Eine barrierefreie Website funktioniert für alle Patienten besser. Guter Farbkontrast hilft ältere Patienten mit schlechterem Sehvermögen - und das ist die Kernzielgruppe vieler Arztpraxen. Klare Formularfelder reduzieren Fehlermeldungen und Anfragen die halb ausgefüllt ankommen. Tastaturnavigation nutzen auch Patienten die kein Touchpad haben.

Barrierefreiheit ist Usability für alle. Und Usability ist das was am Ende Patienten zu Anfragen macht.

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